Warum ambulante Operationen?


Die Förderung ambulanter Operationen bietet eine strategische Möglichkeit, das österreichische Gesundheitswesen zu modernisieren und effizienter zu gestalten. Angesichts des internationalen Trends zur vermehrten Durchführung ambulanter Eingriffe sowie der strukturellen Vorteile für das nationale Gesundheitssystem birgt dieses Modell erhebliches Potenzial. Ambulante Operationsverfahren entlasten stationäre Einrichtungen, reduzieren Kosten und verbessern den Zugang zur Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung. Die Förderung ambulanter Operationen spielt eine zentrale Rolle bei der Modernisierung des österreichischen Gesundheitssystems. Österreich hat traditionell einen starken Fokus auf stationäre Behandlungen.


Die Folgen sind:  

Spitäler sind überlastet, Wartezeiten für Patient:innen verlängern sich, und die Gesundheitskosten steigen. Gleichzeitig zeigt sich international ein klarer Trend medizinische Eingriffe verstärkt ambulant oder in einem tagesklinischen Setting durchzuführen.
Fortschritte in der Medizin, insbesondere minimal-invasive Techniken und moderne Narkoseverfahren, machen diesen Wandel möglich und sicher.

Obwohl Österreich mit Reformen wie der Zielsteuerungskommission (2013–2021) bereits darauf abzielt, die ambulante Versorgung zu stärken, bleibt das Land bei vielen operativen Eingriffen noch hinter internationalen Benchmarks zurück.
So werden ambulante Operationen wie Katarakt-OPs in den meisten OECD-Ländern zu über 90 % als Tagesfälle durchgeführt, während Österreich hier Nachholbedarf hat.

Dies ist unter anderem auf finanzielle Anreize und die Fragmentierung der Zuständigkeiten zwischen den Ländern und den Sozialversicherungen zurückzuführen, was zu Widerständen bei der Umverteilung von Kosten führt. Dadurch ist die Struktur unseres Gesundheitssystems nicht auf ambulante operative Leistungen ausgelegt, da etwaige Einrichtungen im niedergelassenen Bereich nicht finanziert werden und in den Spitälern aus diversen Gründen schwer zu realisieren sind. Eine Auslagerung in kleine ambulante operative Zentren ist auch international ein Trend, der in Österreich etabliert werden kann. Durch die Schaffung einer stärkeren ambulanten Operationsstruktur ließen sich dadurch mehrere Vorteile realisieren. Neben einer effizienteren Nutzung der stationären Kapazitäten und der Möglichkeit, die stationären Ressourcen auf komplexe Fälle zu konzentrieren, bieten ambulante Operationen den Vorteil einer kürzeren Behandlungsdauer für Patientinnen und Patienten. Durch die Etablierung von eigenen operativen Zentren könnte auch die Gesamtzahl der Prozeduren gesteigert werden, ohne die Qualität der Versorgung zu beeinträchtigen. Damit ist die Förderung ambulanter Operationen nicht nur ein notwendiger Schritt, um Österreichs Gesundheitssystem zu entlasten, sondern auch, um es zukunftssicher und wettbewerbsfähig zu machen.


Ziele und Bedeutung ambulanter Operationen


Ambulante Operationen ermöglichen eine gezielte Entlastung der stationären Versorgung, sodass Krankenhauskapazitäten für dringliche und komplexe Fälle genutzt werden können. Die Reduktion stationärer Aufnahmen für planbare, risikoarme Eingriffe verkürzt die Wartezeiten für Patientinnen und Patienten und sorgt dafür, dass der stationäre Bereich für aufwändigere und akut notwendige Fälle reserviert bleibt. Mittelfristig kann Österreich so die Effizienz des Gesundheitssystems steigern und Kosten senken, während langfristig eine dauerhafte Entlastung und Verbesserung der gesamten Gesundheitsversorgung erreicht wird.

 

Vorteile und Potenziale

 

  1. Entlastung der Spitäler: Ambulante Operationszentren übernehmen risikoarme und planbare Eingriffe, wodurch Ressourcen der Krankenhäuser effizienter genutzt werden. So bleiben Betten und Ressourcen für komplexe Operationen verfügbar, und die medizinische Versorgung wird gesichert.
  2. Kostensenkung: Ambulante Eingriffe sind kostengünstiger als stationäre Behandlungen, da sie den Bedarf an stationärer Betreuung und Nachsorge reduzieren. Mittelfristig ergibt sich durch die Verlagerung planbarer Eingriffe in den ambulanten Bereich eine deutliche Reduktion der Gesamtkosten.
  3. Verbesserter Zugang und kürzere Wartezeiten: Ambulante Operationszentren bieten Patientinnen und Patienten einen niedrigschwelligen Zugang zu einfachen medizinischen Eingriffen und reduzieren Wartezeiten erheblich, indem Zuweisungssysteme und koordinierte Terminvergaben eingeführt werden können.
  4. Innovationspotenzial: Ambulante Einrichtungen können gezielt auf moderne und minimalinvasive Operationstechniken setzen. Diese Anpassungsfähigkeit bietet langfristig die Möglichkeit, mit neuen Technologien wie der Robotik und spezialisierten Eingriffstechniken Schritt zu halten.
  5. Höhere Patientenzufriedenheit: Ambulante Operationen bieten für Patientinnen und Patienten neben niederschwelligem Zugang und kürzeren Wartezeiten weitere Vorteile, wie eine Nächtigung im heimischen gewohnten Umfeld, geringeres Infektionsrisiko und schnellere Mobilität.

Strategische Maßnahmen zur Förderung ambulanter Operationen

 

  1. Finanzielle Anreize und faire Kostenstruktur: Derzeit werden ambulante Eingriffe in Österreich oft finanziell benachteiligt. Durch eine höhere Kostenabdeckung und finanzielle Unterstützung seitens der Krankenkassen, Bund oder Ländern könnte das Wachstum in diesem Bereich gefördert und Anbieter motiviert werden, in ambulante Operationskapazitäten zu investieren.
  2. Aufbau und Vernetzung ambulanter Kapazitäten: Der gezielte Aufbau ambulanter Operationszentren in Ballungsräumen und die enge Vernetzung mit Primärversorgungszentren und Gesundheitshotlines tragen dazu bei, ein dichtes Versorgungsnetz für alle Regionen zu schaffen.
  3. Fokus auf Personalressourcen und attraktive Arbeitsbedingungen: Der Erfolg ambulanter Operationszentren hängt stark von qualifiziertem Personal ab. Durch flexible Arbeitsmodelle, leistungsbezogene Prämien und attraktive Teilzeitmöglichkeiten kann ausreichend medizinisches Personal gewonnen und langfristig gehalten werden.


Beispiele für ambulante Eingriffe

 Ambulante Eingriffe sind in Fachbereichen wie Augenheilkunde, Orthopädie, Urologie und Dermatologie bereits international etabliert. In Österreich ließen sich viele dieser Eingriffe - wie Kataraktoperationen, Kniearthroskopien, dermatologische Eingriffe oder diverse Hernien-Operationen - risikoarm und wirtschaftlich im ambulanten Setting durchführen. Diese Eingriffe haben in anderen europäischen Ländern bereits einen ambulanten Anteil von über 90 %, was auf ein erhebliches Ausbaupotenzial in Österreich hinweist.